Fliehkräfte

 

In „Fliehkräfte“ werden die physischen Eigenschaften des Raumes austarriert und über das menschliche Maß als Bezugsgröße geordnet. Lastet ein Stuckprofil aus Beton auf zwei ungleichen Winkeln aus Stahl und Eichenholz (Lasten) auf 2,80 m Raumhöhe, dort wo der Boden der zweite Etage im rückwärtigen Teil der Ausstellungshalle liegt, werden hier Korrespondenzen deutlich, ebenso beim gegenüberliegenden Wandobjekt (Blende), einer durch Kreuzfalze in den Raum hineingewölbten Aluminiumbrüstung. Eine Gummiplatte (Cut) lehnt massig an der Wand, gibt, sichtbar am horizontal verlaufenden Schnitt, Gewicht an diese und den Boden ab, anders eine schwarz reflektierende Glasplatte, die sich schräg mit einer Kante an der Wand stützt, den Blick bündelt und zurücklenkt auf´s Ensamble. Die Fotografie „Flor“chargiert zwischen mineralischen und organischen Form- und Farbspektren, archaischer und digitaler Wirkungsweise und hebt grundlegende Prinzipien des sich Wölbens hervor. „Stage“ verankert die Videoarbeit „Orbit“, entstanden im Refektorium des Museums Füssen, in der Ausstellungshalle. Im abstrakten Holzmosaik findet sich die Ornamentik der Windrose aus dem antiken Bodenmuster wieder. Mit der Verschränkung der beiden Räume überträgt sich das Oval des Barocksaals und die Bewegung des immanenten Kreisens in die Quadratur des Künstlerforums.

 


Fliehkräfte (2017), Raumkomposition
Ausstellungsansichten, Künstlerfourm Bonn

>Fotos: Jo Hempel

Flor (2017), Pigmentdruck auf Hahnemühle, 60×90 cm
Blende (2017), Aluminiumblech, 290x120x76 cm
Stage (2017), diverses Holz und Holzimitat, 235x188x6 cm
Blade (2017), Glas lackiert, Eiche, 120x65x0,6 cm
Cut (2017), Gummiplatte, 200x120x1,2 cm
Lasten (2017), Eiche, Stahl, Beton, 250x90x60 cm
Orbit (2016), HD-Video, 3:59 min